Großes Dankeschön an Wolfgang ...
... Thümer, der heute nach knapp 60 Jahren ehrenamtlicher Kampfrichtertätigkeit den Startrevolver in den Tresor legt.
Das waren bestimmt 1500 ehrenamtliche Kampfrichtereinsätze wochentags nach der Arbeit, an den Wochenenden und zu Lehrgängen.
1500 Einsätze in 58 Jahren - das sind durchschnittlich 25 im Jahr, also mindestens 2 im Monat - in der Saison natürlich deutlich mehr, als im Frühjahr und Herbst zwischen Freiluft- und Hallensaison. Und da sind mal kleine Abendsportfeste (einschließlich der Vor- und Nachbereitung) und auch mal große nationale und internationale Wettkämpfe dabei.
Ich kenne Wolfgang etwa seit 1980, als ich zu DVfL- Zeiten nach Dresden kam und dank einer (mitgebrachten) Verbandsfunktion im DVfL einen der im Bezirk Dresden sehr knappen Plätze im Zentralen Kampfgericht der DDR bekam. Mein Platz ging da nicht auf das Budget des Bezirks - zum Glück, denn sonst hätte ich da sehr lange anstehen müssen. Da war Wolfgang schon lange im Dresdner Bezirkskampfgericht und auch im Zentralen Kampfgericht dabei - und er musste sich seinen Platz hart verdienen. Absolute Zuverlässigkeit, akkurate, komplett weiße Kampfrichterkleidung, sichere Regelkenntnisse und Nachweis regelmäßiger Lehrgangsteilnahmen sowie korrektes Auftreten waren Bedingungen zur Delegierung in das Zentrale Kampfgericht - und all das hatte Wolfgang zu bieten. Und man musste mindestens 15 nachgewiesene Kampfrichtereinsätze im Jahr haben, wobei 5 in der Funktion Schiedsrichter oder Obmann und zudem mindestens 5 Einsätze auf Kreisniveau (also in der untersten Ebene) erbracht worden sein mussten.
Die Kampfrichterkommission des Bezirks hat jedes Jahr die Delegierungen in das Zentrale Kampfgericht geprüft, bestätigt oder neu vergeben. Und Dresden war eine Hochburg im Kampfrichterwesen der DDR. Kein anderer Bezirk hatte so viele prädestinierte Kandidaten aufzuweisen, wodurch ein großer Andrang auf die 25 Plätze zu bearbeiten war. Und jedes Jahr hat der Bezirk Dresden einen hochkarätigen Lehrgang für Schiedsrichter (damals "Klasse I") über 5 Tage in Werdau und einen Obleute- ("Klasse II") und Fortbildungslehrgang über 3..4 Tage in Gohrisch ausgerichtet.
Wolfgang gehörte fest zum weit über die Bezirksgrenzen bekannten Dresden- Team mit Stephan Götze, Jürgen Mantel, Volker Braun, Steffen Wittkowske, Werner Fertig, Frank König, Werner Hilsky, Rolf Bruschke, Werner Burkhardt, Jürgen Kollosche, Jürgen Stolp, Hartmut Müller, Detlef Altmann, Uwe Bentsch, um nur einige der aktivsten Kampfrichter aus dieser Zeit zu nennen. Und er engagierte sich natürlich auch in seinem Kreis - viele werden ihn ja aus den 2000'er Jahren als Freitaler Chef kennen. Hier hat man ihn schon Tage vor den Wettkämpfen beim Vorbereiten des Stadions, Ausmessen und Markieren der Wurfsektoren, Bereitstellen des Materials gesehen und am Wettkampftag war er dann Einsatzleiter des Kampfgerichts, Starter und am besten auch gleich noch Schiedsrichter beim Speer oder Diskuswurf.
Wer mal Freiluftwettkämpfe genauer beobachtet hat, der hat sicher feststellen können, dass der erste Wettbewerb mit einem Startschuss beginnt und der letzte mit einem Startschuss endet. Läufe sind immer - und immer den ganzen Wettkampftag lang. Da ist man schon froh, wenn man bei den abschließenden Rundenläufen dann kein "Fertig" mehr sagen muss. Man ist eh' schon fertig ;-).
Nicht zu vergessen der legendäre Windberglauf, bei dem Wolfgang beizeiten mit dabei war. Die Besonderheit damals: Hier wurden Kampfrichter nicht eingeladen - die waren immer da und haben den Windberg fast immer von selbst gefunden ;-) (außer Jürgen Mantel, der ihn 1x vergeblich gesucht hatte). Hier gab es zwei Stoppuhren, die Zeiten wurden im Durchlauf angesagt und aufgeschrieben. Und die Zielgasse bestand aus zwei Kletterseilen, die von Kampfrichtern und Feuerwehr flexibel gehalten wurden - je nach Andrang im Ziel. Hier war das Abriss- Team tätig und klaubte die Crosskarten von den Trikots der Läufer. Alles handgemacht, immer flink und perfekt. Und der Windberglauf lebt mit seiner 75. Auflage dieses Jahr immer noch -- auch dank der Aktivitäten von Wolfgang, der immer dabei war - so weit ich zurück denken kann.
Sein Fachwissen und sein Engagement haben den Heimatkreis über viele Jahre am Leben gehalten -- großes Dankeschön für Deine Arbeit!
Wünschen wir Wolfgang eine frohe Zeit ohne Wettkampfstress, mal einen Wettkampf genießen, die Beine hochlegen und sich freuen, dass seine Nachfolger von ihm gut gelernt haben und fast alles richtig machen.
Danke!
Andreas Hanßke